About

Porzellanunikate seit Dezember 2014

Ich habe begonnen, selbst Porzellangefäße zu töpfern. Die Gefäße werden chronologisch von 1 bis 1.000.000 numme- riert. In jedes einzelne Stück, von meinen Händen auf der Drehscheibe geformt, werden die fortlaufenden Nummern in das noch weiche Porzellan eingraviert. Die transparente Glasur zeigt die feine Farbe des bei 1300 Grad Celsius dicht gebrannten Porzellanscherbens.

Dieses Vorhaben, selbst eine Million Gefäße zu produzieren, erzeugt den größtmöglichen denkbaren Raum, um in Ruhe zu arbeiten. Mein Lebensende, als behaupteter Endpunkt des Projektes, erzeugt die Vorstellung und birgt die Hoffnung auf viel Zeit für Alle, die sich damit in Beziehung setzen. Mein handwerkliches Können wird sich steigern und verfeinern. Sichtbar wird die Entwicklung beim Besuch der Website www.eine-million.com. Auf einem horizontalen Fotostrang ist je- des Gefäß in der Reihenfolge der Produktion abgebildet. Das Auf und Ab der Entwicklung der Formen wird hier sichtbar.

Der Standort eines jeden Gefäßes ist angegeben. Diese Ortsangaben sind auf Google Maps verlinkt. Die Website zeigt die Verbreitung, die Wege und Orte der Gefäße und belegt so den Zusammenhang zwischen Produktion, Objekt und Welt. Eine analog voranschreitende Zellteilung, die sehr rasant oder eben sehr langsam von statten gehen kann.

‘Die Form der ZeiT’

Das Töpfern ist eine hochkonzentrierte Angelegenheit. Die Gewissheit, aus einem Stück feuchter Erde einen Gebrauchs- gegenstand machen zu können, den jeder immer und überall auf der Welt brauchen kann, verbindet uns mit der gesamten Entwicklungsgeschichte der Menschheit.

Die Gefäße decken den gesamten Bedarf an Essgeschirr für einen Haushalt ab. Becher, Schalen, Schüsseln, Kannen, Platten und Zubehör wie Eierbecher, Siebe, kleine Löffel, etc. Die Nummerierung bleibt konsequent chronologisch fort- laufend. Bricht ein Gefäß in der Herstellung, wird es nicht ersetzt. Das gebrochene Gefäß behält seine Nummer und seinen Platz in der fortlaufenden Reihe. Jedes Stück ist ein Unikat, belegt durch die eingravierte Nummer. Diese Nummer ist auch der Garant für die strenge chronologische Produktion der einzelnen Gefäße. Der Verkauf einzelner Porzellane und ganzer Service ermöglicht auch das Verschenken oder Tauschen der Gefäße. Die Porzellangefäße, die sich weltweit verteilen, ver- leihen den unterschiedlichsten Personen und Orten eine Gemeinsamkeit.

Mein Ziel ist es, international Orte und Menschen aus allen Schichten einer Gesellschaft zu involvieren. Vom First Class Hotel bis zum Rumänischen Waisenhaus, vom Langhaus in Borneo bis zum Kulturzentrum in Inuvik. Durch den Kauf der einen Gruppe wird das Schenken an eine andere Gruppe ermöglicht.

Was bedeutet es, heute "etwas" zu produzieren und wohin geht das, was wir produzieren/tun? Kunstproduktion versus Produktion von Gebrauchsgütern? Welche Formen von Bezahlung gibt es heute? Wer bezahlt was für wen? Wie entsteht Wert, wer definiert diesen und wer bezahlt wieviel für ein und dieselbe Sache? Was genau wird bezahlt? Ideelle Werte oder Gebrauchswerte, Materialwerte? Was ist wo mehr wert und wieso?

Durch mein Projekt Eine Million, und durch die Dokumentation der Verbreitung der Gefäße, wird eine sichtbare Spur quer durch die globale Gegenwart gelegt. Die Zusammenhänge und Zusammengehörigkeit zwischen unterschiedlichsten gesell- schaftlichen Bereichen, Orten und Menschen werden offensichtlich.

Uli Aigner, Berlin, Juni 2015

"The Shape of Time" von George Kubler, 1962, Yale Universität